Claudia Klučarić

Text von Judith Podell aus dem Katalog LA PALOMA (I said I love. That is the promise), erschienen zur gleichnamigen Ausstellung in der Galerie am Kirchplatz, Hartberg 1999

KOMPLIZIERTE, ABER ANGENEHME GEFÜHLE

Empfindung, imaginiert und genossen, wie das Aroma grünen Tees.

So viel pure Schwerarbeit, eine Bleistiftzeichnung zu machen, aber die Oberfläche ist außergewöhnlich, und ihr Wesen entzieht sich der mechanischen Reproduktion, so wie sich das Wesen einer Dichtung der Übersetzung entzieht.
Eine Geschichte taucht auf oder vielleicht etwas schwerer Faßbares; Gefühle, hervorgerufen durch die besondere Verbindung von Licht und Wetter.
Eine Kunst, die den Betrachter zur aktiven Teilnahme einlädt.
Ich blicke zu deinen Zeichnungen hinauf, die nun von meiner Wohnung Besitz ergriffen haben. Sie lösen Heimweh in mir aus nach New York City und danach, 25 zu sein, in jenem Alter also, als ich in Greenwich Village lebte und Schriftstellerin wurde. (Denn ich verliebte mich, oft, und jedes Mal wurde eine Geschichte daraus.) Es waren die frühen 70er Jahre. Ich war drahtig und lebenshungrig und voller Sehnsucht. Mein Haar war schwarz damals, und ich kleidete mich bunt, ausschließlich in nicht primären und differenzierten Farben. Ausgebleichtes Rosa mit rostfarbigem Wildlederrock. Ein gelbbrauner Pullover unter Aubergineviolett.
Unerwartete Beziehungen, die irgendwie stimmig waren.
Unaufgelöste Spannung und die Harmonie der Dissonanz.
Ich hatte damals eine Vorliebe für die Gitarrenlegende John Fahey, dessen Aufnahmen von einfachen Blues und alten Hymnen jede nur mögliche Kombination von Klangfarben erkundeten, alle denkbaren Beziehungen zwischen zwei Akkorden.
Für mich beschworen deine Zeichnungen daher den beginnenden Frühling in New York herauf und die romantische Vorstellung, verliebt zu sein. Die Sinnlichkeit von Gefühlen und Wetterlagen. Hoffnung, gemischt mit Traurigkeit.
Sehnsucht und der Genuß von Sehnsucht um ihrer selbst willen.
Einfach zu wollen, ohne Hoffnung auf Gewinn.
Die Konsistenz sanften Regens, New Yorker Frühlingsregens, und der graue, von Licht durchflutete Himmel. Keine Primärfarben.
Stattdessen die Farben komplizierter Emotionen und ungeahnter Beziehungen, die ebenfalls kompliziert sind.
Gibt es ein Wort für das, was ich meine, oder hat man es im Englischen noch nicht erfunden?
Vielleicht ist es eine Farbe, gegen eine andere Farbe gesetzt.
Der Frühlingsregen. Dein unvergleichliches, glanzvolles Leben.
Das Universum belohnt mutige Taten.
Du hast deine Liebe erklärt, und die Welt heißt dich in ihr willkommen.

Judith Podell

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